Namensartikel: Eine neue Ära für den Klimaschutz

04.11.2016
Alternative Enregieformen - Übersicht Bild vergrößern Erneuerbare Energien (© picture alliance / dpa)

* Namensartikel von Dr. Georg Witschel, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Brasilien, erschienen in Folha de São Paulo am 04.11.2016

Heute beginnt eine neue Ära im internationalen Klimaschutz. Das Pariser Klimaschutzabkommen tritt in Kraft - weniger als elf Monate nachdem es beschlossen wurde.  Das atemberaubende Tempo des Ratifikationsprozesses unterstreicht, dass es die Staatengemeinschaft  im Kampf gegen den Klimawandel ernst meint. Klimaschutz wird weltweit nicht mehr als ein von der Umweltpolitik zu lösendes Nischenproblem angesehen – im Gegenteil: es ist eine Top-Priorität, sowohl für Staats- und Regierungschefs als auch für Wirtschaftsführer und die Zivilgesellschaft.

Darauf können wir stolz sein. Allerdings: Paris wird nur dann in die Geschichtsbücher eingehen, wenn es nun gelingt, das Abkommen  umzusetzen, und zwar vollständig und zügig.  Nur dann kann die erforderliche Transformation hin zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft und Gesellschaft wirklich in Gang gesetzt werden. Marokko hat daher als Gastgeber der bevorstehenden 22. Weltklimakonferenz ganz zu Recht das Motto „Action and Implementation“ ausgerufen.

 

Brasilien und Deutschland haben durch ihre zügige Ratifizierung des Paris-Abkommens dazu beigetragen, dass es in Rekordzeit in Kraft tritt.  Auch bei der Umsetzung des Abkommens werden unsere Länder eine entscheidende Rolle spielen: national, in der bilateralen Kooperation und auf internationaler Ebene.

 

National stehen sowohl Deutschland als auch Brasilien vor großen Herausforderungen – das sollten wir uns ehrlich eingestehen. Eine „Energiewende“ – also die Umstellung auf eine Energieversorgung aus erneuerbaren Ressourcen – ist kein Selbstläufer. Sie muss aktiv und umsichtig gestaltet werden. Auch die konsequente Reduzierung der Entwaldung erfordert kontinuierliche Anstrengungen.

 

Unsere langjährige bilaterale Kooperation in diesen Bereichen hat jedoch bereits zu beachtlichen Erfolgen geführt: Neue Schutzgebiete konnten in den tropischen Regenwäldern geschaffen und bestehende besser geschützt werden. Brasilien hat mit maßgeblicher Unterstützung durch Deutschland den Amazonienfonds eingerichtet, ein wegweisendes Instrument zur Bekämpfung von Entwaldung und zur Emissionsreduzierung. Auch beim fortgesetzten Ausbau von Solar-, Windenergie und Biogas sowie der Förderung von Energieeffizienz arbeiten Deutschland und Brasilien eng zusammen. Daran müssen wir weiter anknüpfen.

 

International gilt es, die nationalen Klimaschutzziele beständig  anzuheben und gleichzeitig langfristige Strategien zu entwickeln, wie wir in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts eine treibhausgasneutrale Welt erreichen - so wie in Paris vereinbart. Treibhausgasneutralität heißt de facto, dass wir die Emissionen aus der Energiewirtschaft, dem Verkehr, der Industrie und dem Gebäudesektor nahezu vollständig vermeiden müssen! Deutschland wird Partnerländer bei dieser Dekarbonisierung verlässlich unterstützen. Die Zusage aus dem letzten Jahr, bis 2020 die öffentliche Klimafinanzierung zu verdoppeln, gilt! Doch neben den Mitteln, die Industriestaaten bereitstellen, ist es auch erforderlich, private Kapitalströme viel stärker in Richtung grüner Investitionen umzuleiten.

 

Deutschland wird im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft im nächsten Jahr den Klimaschutz ganz oben auf der politischen Agenda verankern. Neben den Staaten sind aber auch die nichtstaatlichen Akteure gefordert, die Umsetzung des Paris-Abkommens voranzutreiben. Sowohl in Deutschland als auch in Brasilien gibt es eine lebendige Zivilgesellschaft und innovative Unternehmen, die die Chancen dieser Transformation erkannt haben. Dies alles stimmt mich hoffnungsfroh, dass der heutige Tag tatsächlich in die Geschichtsbücher eingehen wird!

© BO

Namensartikel: Eine neue Ära für den Klimaschutz

Berliner Zeitungsmarkt

Wetter und Uhrzeit in Deutschland

Berlin:
02:33:20 11 °C
Deutscher Wetterdienst