Wissenschaft und Forschung

Brasilien ist ein strategisch wichtiger Partner für Deutschland. Dies gilt auch für die Bereiche Wissenschaft, Technologie und Innovation. Die deutsch-brasilianische Wissenschaftskooperation besteht seit mehr als 45 Jahren und basiert auf dem Rahmenabkommen zur wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung von 1969, das 1996 erneuert wurde.

Brasilien hat riesige landwirtschaftliche Nutzungsflächen, enorme Süßwasservorräte, Rohstoffvorkommen und vielfältige Möglichkeiten für die Erzeugung erneuerbarer Energie. Deutschland hat innovative Spitzentechnologien und ist insbesondere bei den „grünen Technologien“ Innovationstreiber. Die Vereinigung dieser Potenziale stärkt beide Länder in ihrer Wettbewerbsfähigkeit und lässt Projekte entstehen, von denen beide Partner gleichermaßen profitieren. Im Vordergrund der Zusammenarbeit stehen die Themen der Umwelt- und Meeresforschung. Bio-, Informations-, Produktions- und Nanotechnologie sowie Gesundheitsforschung, Raumfahrt und Seltene Erden sind weitere Kooperationsfelder.

Mit politischen Initiativen wie dem Deutsch-Brasilianischen Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011, dem Deutschlandjahr in Brasilien 2013/14 und der Einrichtung des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses in São Paulo (DWIH) konnte Deutschland seine Präsenz in Brasilien weiter ausbauen und der Kooperation neue Impulse geben.

Einen weiteren Schub hat die Wissenschaftskooperation durch die Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen erhalten, die im August 2015 in Brasilia stattgefunden haben. Während der Verhandlungen wurde eine gemeinsame Absichtserklärung für die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Technologie und Innovation unterzeichnet. Außerdem wurde vereinbart, die Kooperation in den Bereichen Meeresforschung, Seltene Erden und Bioökonomie zu vertiefen sowie das Forschungsprojekt ATTO (Amazonian Tall Tower Observatory) fortzusetzen. Der 320m hohe Klimamessturm ATTO ist ein herausragendes bilaterales Forschungsprojekt, der in Ko-Finanzierung mit Brasilien vom Max Planck Institut für Chemie eingerichtet wird und Daten zur Analyse der Klimafunktion des Regenwalds liefert.

Viele deutsche Universitäten haben eigenständige Kooperationsabkommen mit brasilianischen Universitäten auf den unterschiedlichsten Fachgebieten. Laut der Hochschulrektorenkonferenz HRK bestehen rund 550 Hochschulkooperationen zwischen beiden Ländern. Dass Deutschland für brasilianische Studenten ein immer attraktiverer Studienstandort ist, zeigt sich auch daran, dass Brasilien 2013 erstmals den Sprung unter die Top 20 bei der Erfassung der Herkunftsländer von ausländischen Studenten in Deutschland geschafft hat. Im WS 2014/2015 studierten über 4.700 Brasilianer an deutschen Hochschulen.

Brasilien ist für den Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD ein Schwerpunktland und gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Kooperationsländern im Bereich der Hochschulzusammenarbeit. Zu den Austauschprogrammen, die der DAAD gemeinsam mit seinen brasilianischen Partnern durchführt, zählen das Stipendienprogramm für brasilianische Doktoranden und die Programme des Projektbezogenen Personenaustauschs (PROBRAL). In den letzten 10 Jahren (2005 bis 2014) haben insgesamt 21.905 brasilianische und deutsche Studenten sowie Wissenschaftler die DAAD-Stipendienprogramme in Anspruch genommen. 

Der DAAD wirkt auch in zentraler Funktion bei der Umsetzung des brasilianischen Mobilitätsprogramms 'Wissenschaft ohne Grenzen' mit. Seit 2011 wurde über 100.000 brasilianischen Studenten, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftlern ein Studien- oder Forschungsaufenthalt im Ausland ermöglicht, davon rund 6.595 an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen. Aufgrund finanzieller Engpässe, wurde die Vergabe neuer Stipendien im Rahmen dieses Programmes vorübergehend eingestellt.